Auswanderung im 19. Jh.

Im 19. Jahrhundert wanderten rund 400‘000 Schweizer Bürger:innen aus. Mehrheitlich in die USA. Die häufigsten Gründe dafür waren Hungersnöte und strukturelle Armut.

In vielen ländlichen Gebieten gab es zu viele Menschen für zu wenig Arbeit und Land. Aufeinanderfolgende Missernten verschärften die Lage jeweils dramatisch.

Die Kosten der Armenfürsorge stiegen: Nach altem Recht war jede Gemeinde für die Unterstützung ihrer eigenen Armen zuständig. Wurde der Anteil der Armen in einer Gemeinde zu gross, drohte der finanzielle Ruin.

Eine erzwungene Auswanderung der Armen bot da eine zweckmässige Lösung, kostete doch die lebenslange Unterstützung einer armen Familie ein Vielfaches mehr als eine einmalige Investition in eine Schiffspassage nach Amerika.

Protest

Diese Vorgehensweise der Schweiz stiess in den USA sehr rasch auf Protest. Die New York Times schrieb 1855: ««Noch mehr Almosenempfänger aus der Schweiz – wieder eine Schiffsladung auf dem Weg». Der dazugehörige Artikel besteht aus einem Brief des US-Konsuls in Zürich, welcher die Immigrationsbehörde in New York vor einer Welle von Schweizer Einwandernden warnt. Die Gemeinde Niederwil (heute Rothrist) im Kanton Aargau habe 320 ihrer ärmsten Bewohner losgeschickt. Später ist die Rede davon, dass diese 320 Schweizer:innen «sicherlich keine wünschenswerte Ergänzung zu unserer Bevölkerung sind».

Intelligenztest

Selektion bei der Ankunft


Während Passagiere der 1. und 2. Klasse oft direkt an Bord oberflächlich inspiziert und in Manhattan von Bord gelassen wurden, mussten alle Passagiere der 3. Klasse auf eine Fähre umsteigen, die sie nach Ellis Island brachte.

Der erste Test war die Treppe zur Wartehalle. Ärzte des U.S. Public Health Service beobachteten die Menschen, während sie die Treppe zur Grossen Halle hochgingen.

Sie achteten auf:

Hinken oder Atemnot (Zeichen für Herzprobleme oder körperliche Gebrechen).
Verwirrung oder einen leeren Blick (Verdacht auf geistige Behinderung).
Äussere Anzeichen von Krankheiten.

 

Werauffiel, wurde mit einem Kreidestück auf dem Rücken markiert (z.B. "H" für Herz, "L" für Lahmheit) und für eine genauere Untersuchung aussortiert.
Personen, die bei der ersten Beobachtung durch seltsames Verhalten oder einen verwirrten Eindruck auffielen oder mit einem Kreidezeichen für "Verdacht auf geistige Behinderung" (ein "X") markiert waren, wurden aus der Reihe genommen und einer genaueren mentalen Prüfung unterzogen.

Hatte man die medizinische Prüfung bestanden, fragte ein Inspektionsbeamte anhand der Passagierliste des Schiffes stellte er eine Reihe von Fragen, um festzustellen, ob der Einwanderer eine Belastung für den Staat werden könnte:

Zum Beispiel:

"Wer sind Sie?" "Woher kommen Sie?" "Haben Sie Arbeit?" "Wer hat Ihre Überfahrt bezahlt?" "Haben Sie Verwandte hier?" "Haben Sie mehr als 30 Dollar bei sich?"

Homestead Act

Am Ende des 18. Jahrhunderts standen den weißen Einwanderern noch über 2.300.000 km² (570 Mio. Acre) zur Besiedlung zur Verfügung, wovon jedoch nur ein sehr geringer Teil landwirtschaftlich nutzbar war. Als sich die Besiedlungsgrenze westwärts bis an die trockenen Steppen der Great Plains herangeschoben hatte, wurde die Landmenge, die ein Ansiedler beanspruchen konnte, auf 2,6 km² (640 Acre) vervierfacht.

Der Homestead Act (deutsch wörtlich Heimstättengesetz) ist ein 1862 in den USA in Kraft getretenes Bundesgesetz zum Landerwerb, das die einzelstaatlichen Regelungen ergänzte und weitere Rechtssicherheit für die Squatters schuf. Bereits in der Diskussion um das Gesetz war klar, dass der Homestead Act in direktem Zusammenhang mit der Enteignung und Vertreibung der Native Americans stand.

Das Gesetz folgte auf frühere Landgesetze, die vor dem Sezessionskrieg in Florida und im Pazifischen Nordwesten erlassen worden waren. Es erlaubte jeder Person – faktisch allerdings fast nur Euro-Amerikanern – über 21 Jahren, sich auf einem bis dahin unbesiedelten Stück Land niederzulassen, sich ein 160 Acre (etwa 65 Hektar) großes Grundstück abzustecken und zu bewirtschaften. Nach einer Dauer von fünf Jahren wurde der Siedler dann zum Eigentümer. Diese Frist konnte durch Bezahlen von 1,25 US-Dollar pro Acre Land (insgesamt also 200 US-Dollar) auf sechs Monate verkürzt werden.

Das Gesetz wurde am 20. Mai 1862 von Präsident Lincoln unterzeichnet.